SchlagwortVergangenheit

Stefan Zweig: Vergessene Träume (1900 / 2014) 3/5 (1)

Eine schöne Frau liegt hingegossen auf der Sonnenterasse einer prächtigen Villa, ihr verführerisches Lächeln in einer »mehrjährigen Spiegelprobe« perfektioniert. Da erscheint Besuch aus der Vergangenheit und schaut hinter die Oberfläche ihres inszenierten Lebens. Behutsam konfrontiert Stefan Zweig die Realität gefällter Entscheidungen mit den Träumen der Vergangenheit und überrascht mit einer heiteren Auflösung.

https://www.vorleser.net/zweig-stefan-vergessene-traeume/hoerbuch.html

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Zerrissene Umarmungen (2009) von Pedro Almodóvar 4/5 (1)

Zerrissene Umarmungen: Ost, Various: Amazon.de: Musik

 

 

 

 

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Zerrissene_Umarmungen

Die Nachricht vom Tod des Millionärs und Filmproduzenten Ernesto Martel lässt bei dem blinden Drehbuchautor und früheren Filmregisseur Harry Caine die Erinnerung an die Vergangenheit wieder aufleben. Als auch noch der junge Dokumentarfilmer Ray X – der sich als Ernesto Martels Sohn herausstellt – auftaucht und obskure Andeutungen macht, und als Harrys Ziehsohn Diego nach einem versehentlich eingenommenen Drogencocktail im Krankenhaus landet, beschließt Harry Caine, sich den dunklen Geheimnissen seiner Vergangenheit zu stellen und sie seinen Vertrauten zu erzählen.

Es ist die Geschichte der jungen Lena Rivero, die in einer langen Rückblende erzählt wird. Um Geld für die Behandlung ihres krebskranken Vaters heranzuschaffen, unternimmt sie zunächst einen erfolglosen Versuch, sich als Callgirl zu verdingen. Sie wird dann aber auf Drängen ihres Chefs, des Milliardärs Martel, dessen Geliebte, der dafür die Behandlungskosten übernimmt. Später kann sie Martel davon überzeugen, ihr ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen und ihr eine Karriere als Schauspielerin zu ermöglichen. Lena wird für die Hauptrolle des Films Chicas y maletas besetzt, bei dem Harry Caine – noch unter seinem richtigen Namen Mateo Blanco – Regie führt. Der chronisch eifersüchtige Ernesto Martel lässt Lena dabei während der Dreharbeiten von seinem gehemmten schwulen Sohn mit einer Videokamera überwachen – nicht zu Unrecht, denn Lena und Mateo beginnen alsbald eine leidenschaftliche Affäre.

Zwischen Lena und Martel kommt es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, bei der Lena schwer verletzt wird. Nach ihrer Genesung trennt sie sich von Martel und flieht mit Mateo nach Lanzarote. Der Versuch der beiden Liebenden, ein neues Leben zu beginnen, endet jäh in einem Autounfall, bei dem Lena stirbt und Mateo sein Augenlicht verliert.

Nachdem Harry Caine seine Erzählung beendet hat gelingt es ihm, mit Hilfe der Videos von Ernesto Martel junior die Wahrheit über den Unfall herauszubekommen. Um mit der Vergangenheit abzuschließen, nimmt er seinen richtigen Namen wieder an und beginnt, den nie fertiggestellten Film Chicas y maletas nachträglich in eine aufführbare Schnittfassung zu bringen und Lena auf diese Weise ein Denkmal zu setzen.

http://www.zerrisseneumarmungen.de/

http://www.feedly.com/home#track/zerrissene%20umarmungen

http://www.zeit.de/2009/33/Interview-Almodovar

Roberto Rossellinis Reise in Italien im Fernsehen. Sie sieht Ingrid Bergman, die auf ein Liebespaar blickt, das während einer Umarmung bei einem Vulkanausbruch verbrannt und durch die Asche versteinert wurde.

  • Almodóvar’s Lanzarote (guardian.co.uk)

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Carlos Ruiz Zafón: Das Spiel des Engels (2008) No ratings yet.

Das Spiel des Engels: Carlos Ruiz Zafón, Amazon.de: Bücher

  • Gebundene Ausgabe: 720 Seiten
  • Verlag: S. Fischer; Auflage: 2., Aufl. (10. November 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100954009
  • ISBN-13: 978-3100954008

Aus der Amazon.de Redaktion
David Martín ist siebzehn, als er die Chance seines Lebens erhält: Der Chefredakteur einer Regionalzeitung fragt ihn, ob er für einen ausgefallenen Beitrag Ersatz liefern könne. Und David Martín kann: seine Erzählungen „Geheimnisse von Barcelona“ werden ein Riesenerfolg. Doch im Laufe der Zeit wird klar: Dieser Erfolg hat seinen Preis… Die mystisch-spannende Geschichte, die Bestsellerautor Zafón in Das Spiel des Engels entfaltet, zieht den Leser rasch in ihren Bann und entführt ihn in ein faszinierend morbides Barcelona zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Zafóns grandioses Debüt Der Schatten des Windes begleitete den Buchhändler Daniel Sempere auf einer Entdeckungsreise in die Vergangenheit. Das Spiel des Engels führt nun noch weiter zurück, nämlich bis zu Daniels Großvater. Der alte Buchhändler Sempere ist jetzt der väterliche Freund Davids. Nach seinem erfolgreichen Einstand verdient der aus armem Hause stammende Literat David bald sein Geld mit dem Fortsetzungsroman „Verdammte der Stadt“.

Doch im Laufe seiner 127 Folgen zehrt die Arbeit ihn auf, seine Liebe zur schönen Cristina bleibt unerwidert, und seine Gesundheit nimmt schweren Schaden.

Eines Tages, als es David Martín besonders schlecht geht, nimmt der alte Buchhändler Sempere ihn mit an einen geheimnisvollen Ort, der schon im Der Schatten des Windes verzauberte: den Friedhof der vergessenen Bücher. Bald darauf erhält der inzwischen schwer kranke David eine seltsame Offerte von einem dubiosem Verleger. Für das Schreiben einer ganz speziellen Auftragsarbeit macht dieser dem Schriftsteller ein verlockendes Angebot – ein guter Deal oder ein Pakt mit dem Teufel?

Das Spiel des Engels ist gleichzeitig Fantasy-Märchen, Liebesgeschichte, Krimi und Horrorstory. Das Buch fesselt den Leser mit den fein gesponnenen Fäden
seiner Geschichte, sodass man bald nicht mehr zwischen erzählter Wirklichkeit und imaginiertem Trugbild zu unterscheiden vermag. Wie schon in Der Schatten des Windes verknüpft Zafón äußerst kunstvoll verschiedene Ebenen und Stränge miteinander. Über geheimnisvolle Orte und metaphysisch anmutende Begegnungen verdichtet sich die Handlung immer mehr – bis zu dem Punkt, da sie schließlich in einen erbarmungslosen Kampf auf Leben und Tod mündet. — Ulrike Künnecke, Literaturtest

Interview: 5 Fragen an Carlos Ruiz Zafón

Herr Zafón, Ihr letztes Buch Der Schatten des Windes entführte uns an einen geheimnisvollen Ort, an dem Bücher niemals sterben. Wohin entführt uns Ihr neuer Roman Das Spiel des Engels?

Das Spiel des Engels entführt den Leser wieder in das literarische Universum des Friedhofs der Vergessenen Bücher und in das mysteriöse gotische Viertel
Barcelonas. Es ist eine Geschichte, in der es Intrigen und Romanzen gibt, die tragisch und komisch ist. Und sie steckt voller Überraschungen.

Wie arbeiten Sie an einem Roman?

Zafon Wenn ich mich hinsetze, schreibe ich tagelang durch und gönne mir nur einen freien Tag in der Woche. Einen Teil vom Das Spiel des Engels habe ich in Los Angeles geschrieben. Ein Freund hat mir ein
Arbeitszimmer überlassen und ich habe dort von 6 Uhr früh bis 2 Uhr mittags geschrieben, völlig gegen meine Veranlagung. Sonst arbeite ich immer nachts. Schreiben ist ein komplizierter Prozess, der mich viel Zeit kostet und für den ich mich ein wenig aus der Welt zurückziehen muss.

In Spanien ist „Das Spiel des Engels“ noch erfolgreicher als Ihr erster Roman. Woran, glauben Sie, liegt das?

Zafon
„Der Schatten des Windes“ habe ich vor zehn Jahren angefangen zu schreiben. Ich glaube, dass ich in dieser Zeit etwas hinzugelernt habe. Man lernt aus seinen Fehlern und mit dem Alter. Zudem war das Buch aus der Perspektive eines heranwachsenden Jungen geschrieben und deshalb liebenswürdiger. Beim Das Spiel des Engels war ich mutiger, und so ist dabei die ruchlose Schwester von Der Schatten des Windes herausgekommen. Es hat mehr von Charles Dickens: Es ist eine Hommage an die Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, die die Literatur auf fieberhafte Weise lebten.

Wann haben Sie angefangen zu schreiben?

Zafon
Als ich zum ersten Mal Geld für etwas von mir Geschriebenes erhielt, war ich acht Jahre alt und dachte, mit 13 bin ich berühmt. Ich gründete mit einigen Freunden an der Schule einen Verlag. Einer kümmerte sich um die Gestaltung, ein anderer machte die Kopien, und ich schrieb. Es waren Horrorgeschichten mit Außerirdischen und Vampiren. Mit dem Geld, das wir einnahmen, kauften wir uns Süßigkeiten. Seitdem habe ich nicht aufgehört zu schreiben.

Was ist Glück für Sie?

Zafon
Ich tu gerne einmal nichts, aber irgendetwas mache ich immer. Ich höre gern Musik, lese, gehe ins Kino, reise und lerne. Ich lerne sehr
schnell. Viel wichtiger als der Erfolg meiner Bücher ist für mich,  dass ich seit langer Zeit zum ersten Mal mit mir selbst zufrieden bin. Was ist für mich das Glück? Darauf antworte ich immer das Gleiche: geistige Zufriedenheit.

Über den AutorCarlos Ruiz Zafón
Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren, wuchs im Schatten von Gaudís Kathedrale Sagrada Família auf und besuchte die gotische Jesuitenschule von Sarría. Deren wuchernde Architektur regte schon den
10-Jährigen zu Schauergeschichten an und inspiriert ihn bis heute zu seinen kunstvoll konstruierten Romanhandlungen. Seine berufliche Laufbahn begann er als Texter, bevor es ihn 1994 nach Los Angeles zog,
wo er zehn Jahre als Drehbuchautor und  Journalist arbeitete. Für sein Erstlingswerk Der Fürst des Nebels erhielt Ruiz Zafón 1993 den Edebé-Preis für Jugendliteratur. Sein Roman Der Schatten des Windes von 2001 wurde zum größten Bucherfolg Spaniens und begeisterte, in mehr als 30 Sprachen übersetzt, Leser in aller Welt.

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AntinioTabucchi: Der schwarze Engel (2001) No ratings yet.

  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Dtv (August 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423129034
  • ISBN-13: 978-3423129039

Da flaniert ein Mann durch eine Stadt, um aus zufällig aufgeschnappten Gesprächsfetzen absurde Geschichten zu konstruieren, und vernimmt plötzlich die Stimme eines verstorbenen Freundes, die ihn zu  einem geheimnisvollen Treffen auf die Plattform eines Turms lotst. Da stellt sich ein einsamer Junge der zweifelhaften Vergangenheit seines Vaters, eines heldenhaften Verteidigers der faschistischen Republik von  Salò, und versucht im Zwiegespräch mit Jules Vernes Kapitän Nemo, das Gespinst aus Halbwahrheit und Lüge zu entwirren. Da stößt eines Nachts zu Zeiten der Diktatur Salazars ein Kreis junger Portugiesen auf die Macht der Poesie an und erfährt kurz darauf in der unwirklichen Begegnung mit einem Geheimpolizisten den ganzen Schrecken willkürlicher Gewalt: Immer tiefer zieht Antonio Tabucchi uns in ein seltsames Gewebe von knapper Alltagsschilderung und surrealer Stimmung. Durch alle sechs hier versammelten Erzählungen  huschen poetologische Engel, die aus dem Dunkel des Unbewußten ans Tageslicht steigen. Sie treten auf, um wachzurütteln und nachdenklich zu stimmen. Und ganz unmerklich verlassen wir mit Tabucchi den Boden der Tatsachen.

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Steffen Möller: Als deutscher Gastarbeiter in Polen (2008) No ratings yet.

Steffen Möller, ein Name, der wohl den wenigsten etwas sagen dürfte. Nach diesem Buch wird sich dies gründlich ändern. Der jungenhafte Mann, der uns auf dem Cover aus der Ferne mustert, hat zur Befriedung des chronisch labilen Verhältnisses zu unseren polnischen Nachbarn vermutlich mehr beigetragen, als sämtliche Kartoffelkrieger und Vertriebenen-Erikas jemals zerdeppern konnten. Angefangen hatte alles mit der leicht abseitigen Studentenidee, einen zweiwöchigen Polnischkurs in Krakau zu belegen. Was im März 1993 als Gag gemeint war, entwickelte sich zur großen Liebe eines Lebens. Man fasst es kaum, aber Möllers Vernarrtheit in die unglaublich komplexe polnische Sprache gab den Ausschlag. Heute, dreizehn Jahre später, kennt in Polen jedes Fernsehkind diesen merkwürdigen Deutschen, der als Kabarettist und Schauspieler zu einem der Ihren wurde. Und uns nun Polen erklärt. Aber wie!

Wer Möller auf seiner PR-Tour durch den deutschen Talkshowdschungel erlebte, verfiel augenblicklich dem Charme, mit dem er für seine neue Heimat warb. Gängige Vorurteile (Autoklau, Tristesse pur, etc.), werden gelangweilt abgeschmettert, nur um sie durch andere, eigene, zu ersetzen. So den notorischen Aberglauben, von dem die polnische Bevölkerung in ihrer Gesamtheit fast schon voodoohaft erfasst ist. Möller liefert Beispiele gelebter polnischer Alltagsanarchie, die uns Deutsche als bedauernswerte obrigkeitshörige Hackenschläger dastehen lassen. Auch der ehemalige Sprachcoach in Möller gibt keine Ruhe. Lustige, aber hoffnungslose Vokabelübungen durchziehen sein Buch, ein linguistisches Desaster, das jeden deutschen Rachenraum übel malträtiert. Ledigleich die Lehnwörter aus dem Deutschen wie „Gancegal“, „Hochsztapler“ und „Szajs“, erweisen sich als halbwegs brauchbar. Nebenbei – lebenswichtig! – keine Scherze treiben über Papst Johannes Paul II.

Bescheidenheit, Abwesenheit von Aggressionen, gänzlich unerwarteter schwarzer Humor. Dazu der Reiz der polnischen Frauen, von Heine schon als „Weichselaphroditen“ verehrt. Attribute, die Möller den Abschied von der deutschgrauen Ellbogenmentalität versüßten. Der Mann schafft das Positivbild einer liebenswert-schrulligen Gesellschaft, dass man noch beim Lesen die geistigen Koffer zu packen beginnt. „Es lebe Polen!“ Vorschlag zur Güte: Wer, auch in den heiklen Fragen unserer unseligen Vergangenheit, derart sensibel, aber ohne falsche Betroffenheit die Herzen unserer Nachbarn aufschließen konnte, sollte doch gleich den Botschafterposten auf der offiziellen Ebene bekommen. Ein besserer ließe sich ohnehin nicht finden! –Ravi Unger

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Ruth Klüger: unterwegs verloren (2008) No ratings yet.

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: ZSOLNAY-VERLAG; Auflage: 1 (20. August 2008)
  • ISBN-10: 3552054413

Der Bestseller „weiter leben“, Ruth Klügers autobiographisches Überlebensbuch, war ein beklemmendes Augenzeugnis der Konzentrationslager von Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau, Christianstadt. Doch was kam nach dem Krieg? Aus dem dreizehnjährigen Mädchen, dem die Gaskammer nur durch einen glücklichen Zufall erspart geblieben war, wurde eine angesehene Literaturwissenschaftlerin, eine selbstbewusste Feministin und eine international ausgezeichnete Schriftstellerin. Der American Way of Life in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die komplexe Beziehung zu ihren zwei Söhnen, die unglückliche Ehe und die als Befreiung empfundene Scheidung sind Themen dieser Autobiographie. Hier erzählt eine Frau, die sich ihre Muttersprache ebenso zurückerobert wie ihre Geburtsstadt Wien, die sich mit den Verlusten, die das Altern bringt, auseinandersetzt und sich den Schatten und Visionen der Vergangenheit, aber auch denen der Gegenwart stellt.

Über den Autor
Ruth Klüger, 1931 in Wien geboren, wurde als Kind in die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt verschleppt. Nach Ausbruch und Flucht mit ihrer Mutter und Pflegeschwester emigrierte sie in die USA, studierte Germanistik und Anglistik und lebt als Literaturwissenschaftlerin in Irvine/Kalifornien. Mit ihrer ersten literarischen Veröffentlichung, ‚weiter leben‘ fand Ruth Klüger überwältigendes Echo bei Kritik und Publikum. 2006 erhält sie den Roswitha-Preis der Stadt Gandersheim.

Siehe auch: Ruth Klüger: Flucht und Verteidigung – Debatten – Feuilleton – FAZ.NET

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Philippe Grimbert: Ein Geheimnis (2007) 4/5 (3)

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Prix Goncourt des Lycéens 2004 · Grand Prix des Lectrices de Elle 2005 · 200.000 verkaufte Exemplare in Frankreich

Als Einzelkind hat es Philippe nicht leicht. Schmächtig ist er, nicht der talentierte, kräftige Sohn, den seine Eltern – beide begeisterte Sportler – gern gehabt hätten. Auch der große Bruder, den er sich in seinen Tagträumen herbeiphantasiert, kann nicht helfen: Kein Stolz, nur Enttäuschung und Leere liegen im Blick des Vaters.
Philippe ist 15, als ihm Louise, eine enge Freundin der Familie, ein über lange Jahre gehütetes Geheimnis enthüllt. Die Grimberts sind Juden. Und sie haben das Leben im besetzten Paris keineswegs so unbeschadet und ereignislos überstanden, wie sie ihren Sohn glauben machen wollen. Behutsam wird Philippe an eine vor seiner Geburt liegende, von allen verdrängte Vergangenheit herangeführt, in der es den großen Bruder seiner Phantasie tatsächlich gegeben hat.

Jetzt – fast 50 Jahre später – hat sich der Autor Philippe Grimbert entschieden, die bewegende Geschichte seiner Familie aufzuschreiben.

Philippe Grimberts preisgekrönter autobiographischer Roman, in Frankreich ein Bestseller, erzählt aus der Sicht eines Nachgeborenen die dramatische Geschichte einer jüdischen Familie – seiner Familie, in der den drängenden Gefühlen von Verlust und Schuld mit Anpassung und Schweigen begegnet wird. Grimbert stellt dagegen die Konfrontation. Damit die Lebenden die Last der Vergangenheit tragen können und die Toten nicht ein zweites Mal getötet werden.

»Als Einzelkind hatte ich lange Zeit einen Bruder. Schöner als ich,
stärker als ich. Einen älteren Bruder, erfolgreich und unsichtbar.«

  • Broschiert: 154 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: 2., Aufl. (24. Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518459201
  • ISBN-13: 978-3518459201

Rezension in die FAZ.

Siehe auch den Eintrag bei Wikipedia.fr: der Autor, der Film, das Buch.

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Bernhard Schlink: Die Heimkehr (2006) 3/5 (2)

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Wann Peter Debauer begann, sich über den Wunsch seiner Großeltern hinweg zu setzen, weiß er gar nicht mehr genau. Vielleicht war es in jenem Sommer, als die junge Lucia ihn in die Waschküche lockt, um ihm ihr Geschlecht zu zeigen und ihn damit erwachsener werden ließ. Vielleicht war es aber auch nur aus Langeweile, während einer öden Schulstunde. So oder so hat er sich Jahre lang an das Verbot gehalten, die Rückseite der Blätter nicht zu lesen, die ihm Oma und Opa während der Ferien bei ihnen in der Schweiz zum Schreiben und Malen überlassen hatten. Dort fanden sich die Druckfahnen der Heftchenreihe „Romane zur Freude und zur guten Unterhaltung“, die die alten Leute nach allerlei Irrungen und Wirrungen ihres harten und entbehrungsreichen Lebens im Alter redigierten.

So oder so: Irgendwann dreht Peter die Blätter um. Er liest die Geschichte der Rückkehr eines Soldaten aus Sibirien, die ihn seltsam berührt. Er liest, wie der Mann plötzlich vor der heimischen Haustür steht, wo ihn seine Frau mit einem fremden Kind und einem fremden Mann an ihrer Seite entgegen tritt. Doch dann bricht die Erzählung ab, weil Peter die restlichen Seiten schon weggeworfen hat. Erst Jahre später fällt sie ihm wieder ein, macht sich der Ich-Erzähler auf die Suche nach dem Autor des Romans, um dessen Ende zu erfahren. Eine Reise in die Geschichte — auch die eigene Vergangenheit — beginnt…

Seit seinem Überraschungs-Bestseller Der Vorleser ist der gelernte Jurist und Berliner Autor Bernhard Schlink der Spezialist für verschüttete Biographien, die sich nicht zuletzt, in einer Art Roman im Roman, immer erst in der Lektüre seiner Figuren entwickeln und entschlüsseln lassen. In Die Heimkehr ist das nicht anders. Und auch viel von Schlinks juristischem Fachwissen ist — neben seiner Vorliebe für historische Stoffe — wieder einmal in das Buch eingeflossen. Gerade diese Ansammlung eingestreuter, teils grotesker Rechtsfälle macht Die Heimkehr besonders lesenswert. Darüber hinaus ist Schlink wieder einmal gelungen, mit Hilfe einer geradlinigen Sprache und eines von Melancholie durchzogenen Stils zu fesseln.   -Stefan Kellerer

Author: Bernhard Schlink
Year: 2006
Publisher: Diogenes

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Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders No ratings yet.

Rating: 4 out of 5

Author: Uwe Timm

Year: 2005

Publisher: Dtv

ISBN: 3423133163

„Gespentervertreibung. In einer anrührenden autobiografischen Erzählung nimmt Uwe Timm Abschied von seinem Bruder“ meint Ursula März in DIE ZEIT vom 18.09.2003 und beschreibt so etwas wie einen gelungenen Abschied von dem ganz Normalen der persönlichen wie auch gesellschaftlich nicht verständlichen Vergangenheit.

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