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Valerie Fritsch: Winters Garten (2015) No ratings yet.

Winters Garten

Winters Garten, so heißt die idyllische Kolonie jenseits der Stadt, in der alles üppig wächst und gedeiht, die Pflanzen wie die Tiere, in der die Alten abends geigend auf der Veranda sitzen, die Eltern ihre Säuglinge wiegen und die Hofhunde den Kindern das Blut von den aufgeschlagenen Knien lecken.

Winters Garten, das ist der Sehnsuchtsort, an den der Vogelzüchter Anton mit seiner Frau Frederike nach Jahren in der Stadt zurückkehrt, als alles in Bewegung gerät und sich wandelt: die Häuser und Straßenzüge verfallen, die wilden Tiere in die Vorgärten und Hinterhöfe eindringen und der Schlaf der Menschen schwer ist von Träumen, in denen das Leben, wie sie es bisher kannten, aufhört zu existieren.

Sprachmächtig und in sinnlichen Bildern erzählt die junge österreichische Autorin Valerie Fritsch von einer Welt aus den Fugen. Und von zwei Menschen, die sich unsterblich ineinander verlieben, als die Gegenwart nichts mehr verspricht und die Zukunft womöglich ein Traum bleiben muss.

»Da kann man Gift oder Gegengift drauf nehmen, ich bin mir sicher, dass mit Valerie Fritsch ein Prosatalent in der österreichischen Gegenwartsliteratur aufgetaucht ist, von dem man noch viel hören wird.« Josef Winkler

»Was macht Valerie Fritsch im Rest ihres Lebens, wenn sie jetzt schon so gut ist.« Jürg Laederach
  • Hardcover, 160 pages
  • Published March 9th 2015 by Suhrkamp Verlag
  • ISBN13 9783518424711
    edition language German
  • WDR
  • NZZ
  • ZEIT

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John Updike: Terrorist (2009) 4/5 (1)

Ahmed ist nicht von dieser Welt — und will so schnell wie möglich ins Paradies. Der 18-jährige Junge, der mit seiner irischen Mutter in New Prospect im US-Bundesstaat New Jersey aufwächst, will sich trotz seiner Schwäche für ein Mädchen aus dem christlichen Kirchenchor ganz und gar Allah verschreiben. Sein arabischer Vater hat die Familie in jenem Moment verlassen, als die Erinnerung an ihn hätte einsetzen können: Jetzt füllt der Koranlehrer Imam Scheich Rashid die Lücke aus. Er pflanzt in dem hoch intelligenten Jungen den Wunsch, statt eines Studiums lieber den Lkw-Führerschein zu machen, und vermittelt ihm eine Anstellung in einem zwielichtigen Möbelhaus, in dem die Sitzgarnituren manchmal Unmengen an Dollarscheinen enthalten, sofern die Adressaten „echte Gläubige Allahs“ sind. Nur Jack Levy, ein längst von seinem Gott verlassener jüdischer Schülerberater mit einer Schwäche für Ahmeds Mutter, glaubt noch an die weltliche Zukunft des Jungen. Der aber ist schon als Selbstmordattentäter mit einem Sprengstofflaster auf dem Weg in einen vielbefahrenen Tunnel, um möglichst viele der ungläubigen Teufel mit in den Tod zu reißen ….“Es gibt genug Menschen, die vor der arabischen Bedrohung warnen”, sagte der Altmeister der US-Literatur John Updike im Umfeld seines Romans Terrorist. „Da mag man es mir zugestehen, den jungen Mann so sympathisch darzustellen, wie es mir möglich ist. Er ist mein Held. Ich habe versucht, ihn zu verstehen und seine Welt zu beschreiben.“ Dieser Versuch ist Updike uneingeschränkt gelungen — so gut, dass man fast gewillt ist, seine Motive zu verstehen. Denn die amerikanische Gesellschaft, die Updike aus der Perspektive seines Protagonisten beschreibt, ist derart sinnleer, korrupt und sexualisiert, dass man ihr bei der Lektüre selbst eher Abscheu entgegen bringt.

Durch zwei Figuren aber ist es Updike gelungen, eine Art Gegengewicht zur konservativen Kulturkritik seines Romans zu schaffen: Da ist zum einen Joryleen Grant, das Mädchen aus dem Kirchenchor, das von ihrem primitiven Freund zur Prostitution überredet wird und für die Ahmed den Imam um jenen Beistand bittet, der als Hinterbliebener eigentlich seiner Mutter zustehen würde. Und da ist zum anderen Ahmed selbst, der am Ende aufgrund der Manipulationen islamischer Fundamentalisten und eingeschleuster CIA-Spitzel im Terroristenumfeld gleich doppelt einsam ist. Auch wenn Updike gegen Ende seine politische Parabel vom Krieg der Welten im dramatischen Showdown in einer unbefriedigenden privaten Lösung ausklingen lässt, ist Terrorist ein erschreckend eindringlicher, aufwühlender Roman über das, was vielleicht gerade in diesem Moment wieder irgendwo in einer westlichen Großstadt passiert. Große Literatur. –Thomas Köster

  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb. (2. Januar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • Rezension Die ZEIT

 

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Juli Zeh: Corpus Delicti (2009) 4/5 (1)

: B Ü C H E R G I L D E | Zeh, Juli | Corpus Delicti

Juli Zeh entwirft in ihrem neuen Roman das spannende Science-Fiction-Szenario einer Gesundheitsdiktatur irgendwann im 21. Jahrhundert. Sie zeichnet ein System, das alle und alles kontrolliert. Gesundheit ist zur höchsten Bürgerpflicht geworden …

Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren, die sich vor einem Schwurgericht verantworten muss. Zur Last gelegt wird ihr ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit. In einer Gesellschaft, in der die Sorge um den Körper alle geistigen Werte verdrängt hat, reicht diese Innenausstattung aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden. Mia Holl will beweisen, dass ihr Bruder, verurteilt wegen einer angeblichen Vergewaltigung, unschuldig ist. Sie gerät also in Stellung gegen das System, hier „Methode“ genannt, auch aus Liebe zu ihrem Bruder, der sich das Leben nahm.
Die „Methode“ verlangt ein festes Sportpensum ebenso wie die Abgabe von Schlaf- und Ernährungsberichten. Buchstäblich über jeden Schritt seiner Bürger ist dieser Staat informiert.

Corpus Delicti handelt von höchst aktuellen Fragen: Wie weit kann und wird der Staat individuelle Rechte einschränken? Gibt es ein Recht des Einzelnen auf Widerstand?

Juli Zehs Corpus Delicti. Ein Prozess ist ein visionäres und ungeheuer spannendes Buch über unsere Zukunft – und unsere Gegenwart.

Juli Zeh, geboren 1974 in Bonn, wurde für ihre Bücher, die inzwischen in 29 Sprachen übersetzt sind, vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Bücherpreis (2002), dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Per Olov Enquist-Preis (2005) und zuletzt mit dem Jürgen-Bansemer-und-Ute-Nyssen-Dramatiker-Preis (2008), dem Prix Cévennes (2008) sowie dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009).

Rezensionen: FAZ, ZEIT, Herr Larbig

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